Erst Silber – dann Blech

Adrian Schürmann disqualifiziert / Kirsten Münchow verpasst Bronze knapp / Annika Schürmann Neunte

Augen und Aussage eines Hürdenrichters haben bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten in Nürnberg den Barkhauser Adrian Schürmann Vizemeisterschaft und Silbermedaille gekostet.

Hinter dem neuen Deutschen Meister Lars-Birger Hense (TSV Friedberg-Fauerbach), der in 50,81 Sekunden deutsche Jahresbestleistung lief, überquerte der Portaner im 400-Meter-Hürden-Finale der Männer gestern in 51,56 Sekunden zwar als Zweiter die Ziellinie, wurde im Nachhinein aber disqualifiziert. Ein Hürdenrichter zeigte nämlich einen Verstoß gegen die Wettkampfregel 168.7 an. Danach ist ein Athlet zu disqualifizieren, wenn er Fuß oder Bein nicht in Höhe der Hürdenoberkante am Hindernis vorbeiführt. Schürmann und sein Trainer Volker Bergbrede legten hiergegen zwar Protest ein, doch wurde dieser abgewiesen. Fernseh- oder Videobilder, die eventuell das Gegenteil beweisen konnten, standen nicht zur Verfügung.

Eingangs der Zielgeraden hatte der Überraschungsmeister von 2006 in Ulm und vergangenes Jahr in Erfurt Bronze-Gewinner noch hinter den Medaillenrängen gelegen, auf den letzten Metern aber auch noch Vorjahressieger Thomas Goller (TV Wattenscheid) überholt, der mit seinen 51,64 Sekunden dann nachträglich auf den Silberrang vorrückte.

Im Vorlauf hatte der im Vorfeld der Meisterschaften an einem Rippenbruch laborierende Barkhauser mit Saisonbestleistung (52,04) die fünftschnellste Zeit aller 16 Starter erzielt, doch war ihm für den Endlauf die ungünstige Außenbahn 8 zugewiesen worden.

Durchaus mögliches Edelmetall knapp verpasst hat auch Kirsten Münchow (Eintracht Minden). Die Olympia-Dritte von Sydney 2000 verfehlte mit 63,35 m im Hammerwerfen der Frauen Bronze (Simone Mathes / Troisdorf/Siegburg / 63,85) um exakt einen halben Meter.

Annika Schürmann (LG Porta) übertraf in Nürnberg im Dreisprung der Frauen mit 12,72 m zwar bereits im ersten Versuch ihre bisherige Bestweite (12,55), verpasste aber denkbar knapp den Endkampf der besten Acht und wurde in der Gesamtwertung Neunte.

7.7.2008 minden-web


Top-Leistung, aber keine Medaille

Adrian Schürmann und sein Trainer schwer enttäuscht nach Vorkommnissen in Nürnberg

Auch am Tag nach der Disqualifikation saß bei 400-m-Hürden-Läufer Adrian Schürmann die Enttäuschung über die Aberkennung der Silbermedaille noch sehr tief.

Dabei hatte der Barkhauser bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg am Wochenende trotz aller widrigen Umstände eine Leistung abgeliefert, für die ihm Trainer Volkhard Bergbrede die Note 1 zusprach. Obwohl ihm für den Vorlauf die überaus ungünstige Innenbahn zugeteilt worden war, qualifizierte sich der 26-jährige als Laufvierter mit Saisonbestleistung (52,04 Sekunden) und der insgesamt fünftbesten Zeit sicher für das Finale. Als hierfür die Bahneinteilung bekannt wurde, wunderten sich Schürmann und sein Trainer ein zweites Mal, denn die Außenbahn 8 zählt ebenfalls nicht gerade zu den günstigsten.

Doch der Portaner ließ sich auch davon nicht beirren, setzte die vorher mit Bergbrede besprochene Lauftaktik sehr gut um, lief kontrolliert schnell an, „erwartete“ die Gegner dann im Kurvenbereich zwischen der sechsten und achten Hürde und konterte dann mit Erfolg, was ihn hinter dem neuen Meister Lars Birger Hense (TSV Friedberg-Fauerbach) und vor Vorjahressieger Thomas Goller (TV Wattenscheid / 51,64) in abermals Saisonbestleistung (51,56) als Zweiten ins Ziel kommen ließ.

Doch brachte den Portaner um die Silbermedaille dann die Beobachtung des Hürdenrichters, nach der Schürmann an der siebten Hürde den Fuß unterhalb der Hürdenoberkante vorbeigeführt haben soll, was Disqualifikation bedeutet. Einen Bildbeweis hierfür konnte man Bergbrede nicht zeigen, nachdem dieser nach einigen vergeblichen Versuchen endlich ins Wettkampfbüro vorgedrungen war. Und bis eigene Videoaufnahmen herbeigeschafft werden konnten, für deren Vergrößerung jedoch kein Fernsehgerät vorhanden war, war die Frist für einen schriftlichen Protest abgelaufen.

Am amtlichen Endergebnis ist nun nichts mehr zu ändern. Bergbrede: „Eine Tatsachenentscheidung, wie ein Elfmeter im Fußball.“ Doch hofft man, mit Hilfe von Aufzeichnungen der Fernsehanstalten dem Hürdenrichter doch noch die Unrichtigkeit seiner Beobachtung nachzuweisen. Bei einer DM in Braunschweig lag dieser mit seiner Einschützung im übrigen schon einmal daneben . . .

Ohne Medaillen waren aus Nürnberg auch die beiden weiteren qualifizierten Starter aus dem Mindener Kreis zurück gekehrt. Bronze greifbar hatte dabei Eintracht Mindens Kirsten Münchow. Die Olympiadritte von Sydney 2000 begann den Vorkampf im Hammerwerfen der Frauen mit 62,25 m und steigerte sich nach einem ungültigen Versuch auf 62,61 m. Das bedeutete zu diesem Zeitpunkt Platz 3 hinter der späteren Meisterin Betty Heidler (LG Eintracht Frankfurt / 68,64), die danach keinen güktigen Versuch mehr hatte, und Andrea Bunjes (ebenfalls Frankfurt / 64,00), die sich danach nicht mehr steigern konnte. Während sich Münchow dann im Endkampf über 62,95 und 61,96 noch auf 63,35 m steigerte, schaffte die bis dahin Vierte Simone Mathes (Troisdorf) im allerletzten Versuch noch 63,85 m und entriss Münchow Bronze.

Sehr zufrieden sein konnte Annika Schürmann (LG Porta). Ihre 12,72 m gleich im ersten Versuch bedeuteten neben persönlicher Bestmarke auch Kreisrekord. Nach einem ungültigen Versuch sowie 12,49 m verpasste sie als Gesantneunte den Endkampf dann um lediglich einen Zentimeter.

8.7.2008 minden-web


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