Walter Schütte: Nicht alles war früher besser

Wietersheimer ein halbes Leben lang ehrenamtlich für den FLVW-Kreis tätig / Als Vorsitzender den Vorgänger „überholt“

„Früher war alles besser – diesem Satz kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Es hat im Laufe der Jahre zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen gegeben. Aber jetzt sollte der Verband es wieder etwas ruhiger angehen lassen und nicht ständig etwas Neues anfangen.“

Walter Schütte, der am 9. Oktober 1949 geboren wurde, blickt am heutigen Freitag nicht nur auf runde 60 Lebensjahre zurück. Der Wietersheimer ist inzwischen auch schon siebzehneinhalb Jahre Vorsitzender des Kreises 23 Minden im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen und hat damit seinen Vorgänger überboten; Hubertus Kieslich aus Bad Oeynhausen war immerhin 17 Jahre Chef der heimischen Fußballer.

„Und eines Tages tragen wir dann unsere Spiele im Internet aus“, hatte Schütte vor Jahren bei einer Arbeitstagung in Hartum scherzhaft formuliert. Doch heute ist der Petershäger froh über den technischen und elektronischen Fortschritt, der auch das Leben von Fußball-Funktionären verändert hat: „Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als wir bei Heinz Willms in der Küche saßen und Spielpläne für die Vereine mit der Schreibmaschine und Matritzen erstellt haben. Die neuen Techniken haben vieles vereinfacht. Früher war alles viel zeitaufwändiger und viel Kleinarbeit.“ Per Internet und Email lasse sich heute der Spielbetrieb weitaus schneller und effektiver verwalten und die Kommunikation untereinander aufrecht erhalten.

Viele nehmen den Sport und sich selbst zu ernst

Aber auch auf Seiten derer, die den Fußballsport ausüben oder an der Basis in den Vereinen arbeiten, hat der Kreisvorsitzende in den letzten Jahrzehnten Veränderungen registriert. „Früher war alles nicht so hektisch. Heute nehmen viele den Sport und sich selbst zu ernst“, ärgert sich Schütte über übereifrige oder penible Vereinsfunktionäre. Aber auch mit diesen habe man letztlich immer einen Konsens gefunden, spätestens bei einem Gläschen Bier.
„Das Spielniveau in unserer Kreisliga A ist nicht mehr so wie zum Beispiel noch vor fünf Jahren“, hat der Petershäger auf dem grünen Rasen eine Tendenz zum Negativen hin festgestellt. Zum einen spielten immer mehr Menschen in den unteren Ligen Fußball zumeist nur als Hobby und Freizeitvergnügen ohne größeren Leistungsgedanken.

Zum anderen aber sei heute auch die Trainergeneration eine ganz andere: „Vielen geht es dabei in erster Linie ums Geld und den Erfolg. Früher war da viel mehr Herzblut im Spiel, wofür Hans Labjuhn das beste Beispiel ist. Heute versuchen sich da zumeist Spieler, die höherklassig gespielt haben. Aber nicht jeder gute Spieler ist automatisch auch ein guter Trainer. Wobei es auch da natürlich Ausnahmen gibt, wie zum Beispiel in Maaslingen Andreas Schwemling, der viel von seinem Vater Werner mitbekommen hat.“

Zu viele Alibi-Betreuer im Nachwuchsbereich

Aber auch in anderen Bereichen sieht der Kreisvorsitzende Handlungbedarf: „Es gibt im Jugendbereich zu viele Alibi-Betreuer, nämlich Väter, die eine Mannschaft nur deshalb trainieren, weil dort gerade ihre Söhne spielen. Es fehlen hier Leute mit qualifizierter Ausbildung. Überhaupt mangelt es an Leuten, die sich im ehrenamtlichen Bereich voll engagieren.“

Eine „Saison ohne besondere Vorkommnisse“ hatte sich der Kreisvorsitzende vor knapp zwei Monaten gewünscht, doch verdrängten bislang nicht nur einmal Handgreiflichkeiten und verbale Attacken in und am Rande von Spielen die sportlichen Schlagzeilen. „Wer auf dem Boden liegt, auf den schlägt und tritt man nicht noch ein. Als Jugendlicher war unsereins zwar kein Engel, aber zumindest das wussten wir“, verurteilt Schütte scharf die unlängt an dieser Stelle zu sehenden Bilder. „Wir müssen zwar aufpassen, dass hier nicht noch mehr passiert, dürfen aber auch nicht dramatisieren. Wir leben hier noch in einem recht friedlichen Kreis“, verweist er auf das Ruhrgebiet oder auch den Bielefelder Bereich, wo ethnische Gruppen sich weitaus feindlicher gegenüber stehen.

Kann mir noch drei weitere Jahre vorstellen

Als Aktiver war der Kreisvorsitzende „nur Durchschnittsfußballer“ nach eigener Aussage: „Ich fing erst mit 13 Jahren als Halbrechter bei den Schülern an und wechselte in der A-Jugend dann ins Tor.“ Der gebürtige „Wietser“ engagierte sich schon in jungen Jahren in seinem Verein in der Vorstandarbeit und war gerade halb so alt wie heute, als er als Staffelleiter seine „Laufbahn“ auf höherer Ebene startete.

„Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, und ich kann mir durchaus noch drei weitere Jahre vorstellen“, blickt Schütte zurück und auch voraus auf das kommende Frühjahr, wenn wieder Kreisvorstands-Wahlen anstehen. Und 2013 könnte dann wie damals 1992 der Stellvertreter nachrücken …

Zur Person

Privat: Geboren am 9. Oktober 1949 in Wietersheim, Abitur am Gymnasium Petershagen, Bundeswehr, Studium an der Pädagogischen Hochschule Bielefeld, 1973 Staatsexamen, Refrendarium in Bad Oeynhausen, Lehrer in Dankersen, Hille und seit 1999 in Lerbeck.

Verein: Ab September 1962 aktiver Fußballer bei SuS Wietersheim und dann bis 1992 beim heutigen SV Frille-Wietersheim, von 1971 bis 1987 im Vorstand als Geschäftsführer, zudem von 1982 bis 1992 Übungsleiter in der Volleyballabteilung.

Verband: Für den FLVW-Kreis Minden seit 1979 ehrenamtlich tätig, und zwar bis 1992 als Senioren-Staffelleiter, zusätzlich von 1986 bis 1992 als Kreisgeschäftsführer und stellv. Kreisvorsitzender und von 1989 bis 1992 als Freizeit- und Breitensportobmann. Auf dem ordentlichen Kreistag am 27. April 1992 zum Kreisvorsitzenden gewählt und seitdem automatisch im Beirat des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, dort am 4. Dezember 1999 kommissarisch zum Beisitzer des Verbandskontrollausschusses gewählt worden.

9.10.2009 minden-web

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