Wo auch immer das Ziel liegt: Für jeden „Finisher“ zahlen Volkslauf-Veranstalter künftig 30 Cent an den Verband.

Nunmehr „Kopfgeld“ statt einer Pauschale

Leichtathletik-Vereine verärgert nach überraschender Anhebung der Gebühren für Volksläufe durch den Verband

„Das Geld wird wohl im großen Topf verschwinden und womöglich für ehrgeizige Projekte des Verbandes verwendet werden.“ Dirk Meyer. Leichtathletik-Spartenleiter des TuS Wasserstraße, sieht keinen Nutzen für die Leichtathletik vor Ort durch die zu erwartenden Mehreinnahmen und ist wie die meisten heimischen Vereine verärgert über die neue Gebührenordnung für Volksläufe, die am 17. Dezember die Ständige Konferenz des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) beschlossen und kurz vor Weihnachten den Vereinen beschert hat. Danach werden statt 15 Euro pro Veranstaltung ab dem 1. Januar 30 Cent pro „Finisher“ fällig, gleich ob Erwachsener oder Nachwuchsläufer.

Mit seinem 24. Silvesterlauf war der TuS Weserstrand der letzte Kreisverein, der seine Veranstaltung noch nach alten Konditionen abwickeln konnte. Für die genau 428 Aktive, die nach dem Start im Wederholz ins Ziel auf dem Sportplatz einliefen, wären ansonsten 128,40 Euro Abgabe an den Verband fällig gewesen. „20 Euro für den Verwaltungsaufwand und die Eintragung in den gedruckten und im Internet veröffentlichten Laufkalender wären auch okay. Aber ansonsten haben wir nichts davon“, sieht Dirk Meyer keinen Grund für eine derart deutliche Anhebung.

Machen unsere Arbeit für die Teilnehmer

Ergebnisse von Volksläufen finden auch keinen Eingang in Rekordlisten, da sie nicht auf amtlich vermessenen Strecken stattfinden. Im Gegensatz zu Straßenläufen, bei denen schon seit Jahren gemäß Ordnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) 25 Cent pro Teilnehmer abgeführt werden müssen und nur Teilnehmer mit einem Pass des Verbandes starten dürfen.

Die Startgebühren (beim Silvesterlauf waren es für Erwachsene fünf Euro, die Teilnahme am Kinderlauf war frei) reichen in Wasserstraße ohnehin nur aus, um Auslagen und Kosten abzudecken: „Wir machen mit unserem eingespielten Team die Arbeit bei einer solchen Veranstaltung für die Teilnehmer und nicht möglicher Einnahmen wegen.“

„Das war uns so nicht bekannt und sollte unter den Kreisleichtathletik-Obleuten vorher eigentlich abgestimmt werden“, ist auch Herta Wiese vom SC Nammen als Vorsitzende des Leichtathtelikausschusses im Mindener FLVW-Kreis nicht so ganz glücklich: „Die neue Gebührenordnung ist nach DLV-Vorgabe zwar berechtigt, man hätte die Erhöhung aber den Vereinen vorab kund tun müssen. Schließlich müssen diese schon bis zum Juli des Vorjahres ihre Veranstaltungen anmelden.“

Vergeblich versuchte man in der Ständigen Konferenz den Beschluss zu verhindern oder die neue Ordnung um ein Jahr zu verschieden. „Unser Walter Schütte war in Kaiserau einer von vier Kreisvorsitzenden, die dagegen gestimmt haben“, berichtet Herta Wiese aus der Tagung des Gremiums, dem die Mitgliedern des Präsidiums und die 33 Kreisvorsitzenden angehören.
Verbandsseitig rechtfertigt man die neue Gebührenordnung u. a. damit, es handele sich um eine Anpassung, nachdem die Gebühren seit vielen Jahren stabil gewesen seien. Volksläufe würden zudem nur rund ein Drittel der etwa 350 jährlichen Laufveranstaltungen in Westfalen ausmachen.

Überlegungen von Vereinen, mit dem Nicht-Anmelden von Läufen beim Verband die höheren Kosten zu umgehen, lösen bei Herta Wiese versicherungsrechtliche Bedenken aus: „Dann würde der Volkslauf-Härtefond des DLV nicht mehr greifen. Einige Vereine in Detmold und Lemgo machen das zwar schon länger, aber nicht nur da sind die Lipper ein eigenes Völkchen . . .“

Für das begonnene Jahr unterdessen wird es nicht nur beim TuS Wasserstraße keine Veränderungen geben. „Die Erhöhung der Startgebühren für den einzelnen Läufer ist für uns kein Thema. Aber vielleicht melden wir für 2013 nur noch den Oktober-Volkslauf beim Verband an wegen der Zugehörigkeit zur Mühlenkreis-Serie. Wenn dann der Silvesterlauf nicht im Laufkalender erscheint und vielleicht 100 Teilnehmer weniger kommen, können auch damit wir leben“, so Dirk Meyer.

Müssen die bittere Pille wohl schlucken

Auch der 38. Mindener Volkslauf am 25. August – nach dem „Sterben“ von Rose- und Porta-Marathon die größte heimische Laufveranstaltung – wird wie geplant über die Bühne gehen. „Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als diese bittere Pille zu schlucken“, räumt Lutz Carta ein: „Die Ausschreibung ist in Druck, und die Internet-Seiten stehen. Zudem haben wir wegen der elektronischen Zeitnahme erst im vergangenen Jahr die Startgebühren erhöht. Die zusätzlichen Ausgaben sind vielleicht durch weitere Sponsoren oder insgesamt höhere Starterzahlen zu komprimieren.“ Nach zuletzt rund 900 Laufbein-Paaren lautet diesmal das ehrgeizige Ziel 2000 Teilnehmer.

7.1.2012 minden-web


FLVW gesteht Fehler bei Gebühren ein

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) hat die Einführung einer Pro-Kopf-Gebühr von 30 Cent bei Volksläufen in der Sache verteidigt, aber Kommunikationsfehler im Entscheidungsprozess eingeräumt. Der Verband plant nun, es 2012 bei der alten Regelung zu belassen, wonach nur eine pauschale Summe von 15 Euro pro Veranstaltung fällig wird.

16.1.2012 minden-web


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