Dr. Rook: Arbeit für Turnsport mühsames Geschäft
In Jahrzehnten in Verband, Verein und Schule Vieles bewegt
„Die Arbeit für den Turnsport ist ein mühsames Geschäft”, weiß Dr. Günter Rook aus langjähriger eigener Erfahrung. Immerhin war der heute 75-jährige ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Turnbezirks Minden und mehr als fünf Jahrzehnte in Turn- und Sportvereinen an vorderster Front aktiv, die meiste Zeit beim MTV 1860 Minden, den er 20 Jahre als 1. Vorsitzender führte.
„Turnerinnen und Turner sind auf sich und ihr Können allein gestellt. In einer Mannschaftssportart kann man sich an einem schlechten Tag mal unter den Mitspielern verstecken”, sieht der Mindener als oftmaligen Grund dafür, dass talentierte und mit den Grundfertigkeiten ausgestattete Kinder und Jugendliche zum Fußball oder Handball wechseln, wenn es ans Schinden geht: „Profi-Fußballer Yves Eigenrauch wäre auch ein excellenter Kunstturner geworden.”
Dass nach einer Blütezeit in der 70er- und 80er-Jahren - mit starken Aktiven wie dem MTVer Klaus Vieweg oder dem Minderheider Jörg Barner - der heimische Turnsport leistungsmäßig inzwischen eher ein Schattendasein fristet, liegt für den ehemaligen Übungsleiter und Funktionär mit an der starken Konkurrenz durch den Handballsport: „In solch einer Hochburg haben es andere Sportarten halt schwer.”
Zumindest organisatorisch aber ist der heimische Raum kein „weißer Fleck” wie andere Regionen Deutschlands. Unter dem Dach des Deutschen Turnerbundes (DTB) und des Westfälischen Turnerbundes (WTB) sowie dem Gau Minden-Ravensberg existieren hier auch Bezirke. Und dem Mindener, der den Altkreis umfasst, gehören immerhin mehr als 30 Vereine mit rund 8000 Mitgliedern an. Rook: „Es könnten noch einige mehr sein, denn Turnen in welcher Form auch immer wird von weitaus mehr Vereinen angeboten. Doch liegen die Beiträge für den Turn-Fachverband in der Regel deutlich über denen anderer Sportarten, und die Vereine scheuen weitere Ausgaben.”
Als 16-Jähriger erstmals Übungsleiter
Der Ur-Mindener, der am 17. Mai 2006 seinen 75. Geburtstag beging, fand auch aus gesundheitlichen Gründen als Sechsjähriger zum Sport und zur damaligen und 1964 aufgelösten Turngemeinde Minden, wo er schon als 16-jähriger erstmals als Übungsleiter eine Kinderturngruppe übernahm und später Jugendwart und Oberturnwart wurde.
Nach seiner Studienzeit in Münster und zwischenzeitlich auch Süddeutschland, wo er u. a. Tiroler Meister im Zwölfkampf wurde, kehrte er über Bad Salzuflen und Lübbecke nach Minden zurück, wo er 1964 am Staatlichen Altsprachlichen Gymnasium (heute Ratsgymnasium) als Lehrer für Erdkunde, Chemie und Sport angestellt wurde und dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 nicht nur den Turnsport voranbrachte, sondern u. a. auch die Ruderriege aufbaute und - als geprüfter Skilehrer - jährlich Kurse in den Dolomiten mit bis zu 120 Teilnehmern durchführte.
1964 trat Dr. Rook auch dem MTV 1860 Minden bei, wurde Übungsleiter im Kinderturnen (mit bis zu 80 Köpfen starken Gruppen), baute eine Kunstturnriege auf, die in den 70er-Jahren bis in die Landesliga aufstieg, und wurde schließlich 1984 zum 1. Vorsitzenden gewählt, was er bis 2004 blieb. Auch hier galt sein Interesse nicht ausschließlich dem Turnen: „Ich habe in allen neun Sparten aktiv mitgemacht.” Und auch an einem Triathlon wollte er sich versuchen: „Doch 5000 Mark für ein Rennrad waren mir dann doch zuviel ...”
Im Turnbezirk Minden, in dem er Jugendwart, Oberturnwart und schließlich bis 1995 1. Vorsitzender war, arbeitet der 75-jährige heute noch als Männerturnwart mit, und im MTV 1860 bekleidet er das Amt des Sportwartes und bringt seine langjährige Erfahrung ein.
„Frag' den Günter, der soll das entscheiden.” - Seitdem dieser häufig ausgesprochene Satz nicht mehr gilt, hat Dr. Rook auch mehr Zeit für seine wie die sportlichen Interessen vielschichtigen Hobbys: Lesen, Fotografieren und vor allem geografische Erkundungen aller Kontinente. Erst jüngst kehrte der ehemalige Erdkunde-Lehrer nach vier Wochen aus Australien in sein Haus am Finkensteg zurück.
31.12.2006 MI-SPORT.DE

